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Die Philatelie am Alexanderplatz: Eine Antwort der Postbank auf eine Nachfrage

Posted in Postalltag, Sonstiges by Ben on Oktober 14, 2009

Immerhin: das Beschwerdemanagement bei der Deutschen Post hat seine Glanzpunkte.  Als am 30.September 2009 der Philatelieschalter der Postfiliale am Berliner Alexanderplatz (Rathausstraße 5) wider erwarten geschlossen und  sich eine bei den aktuellen Berliner Verhältnissen im Öffentlichen Nahverkehr durchaus mühsame Anfahrt auch noch als vergebens herausstellte, ging eine entsprechende Nachfrage zu den Öffnungszeiten des Schalters über das Kontaktformular von deutschepost.de in den dortigen Beschwerdegeschäftsgang.  Heute erreichte mich dann das erklärende, konkret auf den Sachverhalt bezogene Schreiben zum Thema. Es kommt, da die Zweigstelle ein Finanzzentrum der Postbank ist, von Postbank in Dortmund und ist gleich von zwei Mitarbeitern aus dem Backoffice Filialbetrieb abgezeichnet.

Das Schreiben betont zunächst die Bedeutung von Anregungen und Kritik, um den Service zu verbessern, was man als mündiger Postkunde durchaus ernst nehmen sollte. Dann wird versichert, dass die Mitarbeiter in der Filiale noch einmal „auf die Wichtigkeit von einwandfreiem und kundenorientiertem Verhalten“ hingewiesen wurden. Dazu muss ergänzt werden, dass die Mitarbeiter am Philatelieschalter in der Regel durchaus einwandfrei und kundenorientiert arbeiten – nur eben an besagtem Tag zu Mittagsstunde überhaupt nicht und ohne weitere erklärende Mitteilung.

Als Schließgründe sind laut dem Brief möglich: (1) ausnahmsweise verkürzte Arbeitszeiten, (2) Pausen, (3) Kassenübergabe. Das Backoffice der Postoffice versichert aber, dass dies durch einen Aufsteller kommuniziert wird. Die regulären Öffnungszeiten sind übrigens durchgehend von 08:00 Uhr bis 19:00 Uhr.

Weiterhin zu beachten ist folgendes:

„In den Finanz-Centern der Postbank, [sic!] wird derzeit der Verkauf von Einzelbriefmarken und Sondermarken gar nicht mehr oder teilweise nur eingeschränkt angeboten.“

Das bestätigt eine Alltagserfahrung ist aber angesichts der Schließung aller posteigenen Filialen alles andere als begrüßenswert. Kleine Poststellen (heute oft so genannte Postpoints) kompensieren dies ein wenig und gerade in philatelistisch nicht besonders affinen Gegenden findet man wenigstens die Ausgaben der jeweils letzten zwei Monate in der Regel im Verkauf.

Natürlich muss man immer nachfragen und wird manchmal bei Hochbetrieb von den anderen Wartenden mit vorwurfsvollen Blicken bedacht, wenn man die/den Angestellte/n dazu bringt, in den Tiefen des Verkaufstresens nach dem braunen Umschlag mit den Bögen zu suchen. Man sollte es aus meta-philatelistischen Gründen dennoch tun, denn wo Nachfrage besteht, besteht auch die Möglichkeit, dass das Angebot erhalten bleibt. Und die Kunden, die ihre Bankgeschäfte am Schalter abwickeln beanspruchen ja auch ihre Zeit und vor allem die der Mitwartenden, die vielleicht nur eine Sendung abgeben wollen. Die Verteilung ist somit immerhin halbwegs fair. Warum man allerdings nicht stärker auf das von anderen Postsystemen (Spanien, Luxemburg, etc.) und mittlerweile auch manchem Bahn-Reisezentrum bekannten Nummernsystem zurückgreift, was wenigstens die nervige und nicht mehr zeitgemäße Reihung in der Warteschlange, aus der immer das Gefühl des Bittstellers und der stechenden Blicke im Nacken in die Atmosphäre wabert, erleichtern könnte, bleibt bis  ein Rätsel. Vielleicht sollte man auch das verstärkt anregen.

Abschließend lädt der Brief aus Dortmund dazu ein, Postprodukte, also auch Briefmarken doch im Internet zu bestellen. Das mache ich intensiv und gern, bevorzugt jedoch bei ausländischen Postdiensten. Ansonsten bleibt in jedem Land der Welt sofern möglich die Neigung zum Schalter, nicht zuletzt, weil der zwischenmenschliche Kontakt und die Bitte zur sorgfältigen Stempelung auch eine Rolle spielen. So wie man seiner kulturellen Verpflichtung nachkommen sollte und ab und zu mal ein Buch nicht bei einem Internetgiganten sondern im Buchladen am Ecke erwerben sollte, so sollte man auch in dieser Beziehung die Offline-Kultur stützen. Denn sonst gibt es sie womöglich bald nicht mehr und nicht mehr aus dem Haus zu gehen, weil das ganze Leben ein virtuelles ist, scheint jedenfalls mir als nicht erstrebenswerte Verarmung desselben. Zudem: knapp fünf Euro Versand bei Bestellung unter 15 Euro sind einfach zuviel, wenn man nur mal einen Bogen Sondermarken für den aktuellen Briefverkehr erwerben möchte.

Das Schreiben endet fast rührend mit der Aussage:

„Bitte glauben Sie uns, die Geschäftspolitik der Postbank beinhaltet nicht, Kunden durch schlechten Service zu verägern.“

Das glaube ich natürlich und freue mich als Kunde der Postbank (mehr oder weniger wider Willen, denn mir geht es ja nicht um die Bank sondern um die Post), dass man mein Anliegen offensichtlich ernst nimmt. Danke.

Post aus Hohenschönhausen, 1992

Posted in Beleg, BRD, DDR, Stempel by Ben on November 17, 2008

Weit im Nordosten Berlins gibt es den Plattenbauten von Neu-Hohenschönhausen ein mustergültiges Neubauvorhaben der DDR, dass von 1984 bis 1989 immerhin 30.000 Wohnungen an den Stadtrand, vor allem auf ehemalig als Rieselfelder genutzte Flächen, stellte. So entstand eine eigene Mittelstadt, deren infrastrukturelle Ausgestaltung leider nie wie geplant umgesetzt wurde und die nun einige städtebauliche Patchwork-Elemente wie das fragwürdige Lindencenter am Prerower Platz besitzt. Auf der Mehrbildkarte, die vermutlich im Jahr 1990 vom DDR-Ansichtskartenhauptverlag Bild und Heimat aus dem vogtländischen Reichenbach zusammengestellt wurde (der hier schon auf das VEB verzichtete), ist das Einkaufszentrum noch als HO Handelshaus oben rechts zu sehen. Leider ließ sich die glänzende Karte nur recht unscharf abfotografieren, so dass man es eher erahnt, als exakt erkennt.

Mehrbildkarte Hohenschönhausen

Allerdings ist die Vorlage auch nicht perfekt. Entsprechend addieren sich die Unschärfen. Das vielleicht interessanteste Element der Karte soll daher extra herausgehoben werden. Es ist das Stadtwappen des Neubaugebietes, welches seit 1987 Verwendung fand und eines der letzten der DDR sein dürfte.
Sehr schön kommt das Selbstverständnis des Neuaufbaus und der Jugend zum Ausdruck: Zwei Kinder pflanzen einen Baum und zwar an einem der Pfuhle, die für das Wohngebiet charakteristisch sind. Dahinter erheben sich die Plattenbauten nahezu festungsartig. Konkret war das Leben allerdings in den achtziger Jahren dort tatsächlich eine Baustelle, auch wenn so manche Ecke bei schönen Wetter offensichtlich zur Postkartenidylle taugte. Bei den Bewohnern in den Kernbezirken Ostberlins besitzt Hohenschönhausen allerdings nicht den besten Leumund und wird im besten Fall noch als öde Trabantenstadt vorgestellt.

Stadtwappen Berlin-Hohenschönhausen (Neu-Hohenschönhausen)
Die konkrete Ansichtskarte wurde als Teilnahme an einem Gewinnspiel der Berliner Morgenpost im August 1992 verschickt und ist in 1000 Berlin 11 abgestempelt. Auffallend ist dabei der Zusatzstempel, der noch am 12. August für das schon drei Tage zuvor beendete 32. Deutsch-Amerikanische Volksfest im Dahlemer Hüttenweg werben sollte.

Ansichtskarte Hohenschönhausen

Frankiert ist die Karte mit der seit dem 06.11.1987 in der BRD verwendeten Dauermarke „Bavaria München“ zu 60 Pfennig aus der tollen Dauerserie „Sehenswürdigkeiten“, deren fast 60 Motive immerhin 17 Jahre (1987-2004) die deutsche Briefportolandschaft maßgeblich bestimmten. Inwieweit die bayerische Schutzpatronin vor der Ruhmeshalle bewusst als Kontrapunkt zur sozialistischen Neubaustadtgestaltung gedacht war, oder einfach keine andere Marke zur Hand, bleibt wohl auf ewig ein Rätsel (wobei ich meinen letzten Forum-Scheck auf die zweite Variante setzen würde..).

Die Ansichtskarte, der es trotz blauhimmelndem Aufnahmewetter nicht so recht gelingt, das glückverheißende Leben in der Plattenbaumoderne als neues Maß der menschlichen Wohnwelten zu vermitteln und die zu allem Überdruß auf den unteren beiden Bildern auch noch eine vieldeutig drohende schwarze Druckanomalie aufweist, ist in jedem Fall ein bemerkenswertes kleines alltagskulturelles Dokument aus der Vereinigungszeit, wie auch die eher niedlich wirkende handschriftliche Streichung und Korrektur des Staates, dem Berlin als Hauptstadt dient(e), zeigt.

100 Jahre Staatliche Vogelschutzwarte Seebach, 17.11.2008

Posted in BRD, Briefmarke, Stempel by Ben on November 17, 2008

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Briefmarke: 100 Jahre Staatliche Vogelschutzwarte Seebach, ausgegeben am 10. April 2008, Nennwert 45 Cent, Gestrichenes, weißes, fluoreszierendes Postwertzeichenpapier DP 2, Entwurf: Detlef Glinski. Exemplar: Eckrandstück oben links

Gelaufen und zugestellt am 17.11.2008 (eingeworfen am 16.11.2008), gestempelt im Briefzentrum 10 (Berlin-Mitte)