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Ein Bienenbrief aus dem Jahr 1990

Posted in Beleg, DDR by Ben on November 17, 2008

Nachdem in den vergangenen Tage einige erste Stücke aus der Sammlung auf meinem Schreibtisch relativ formal abgebildet worden, soll es ab und an selbstverständlich etwas mehr Text zu den Stücken geben. WordPress als Bloganbieter macht es einem dabei nicht immer leicht, denn manchmal sind die Server arg beschäftigt. Dazu kommt ganz offensichtlich der Mangel an Digitalisierungstechnik: Die Exemplare werden bisher schlicht hingelegt/-gestellt und abfotografiert und können daher kaum höheren Anforderungen an ein philatelistisches Digitalisat genügen.
Es gibt mittlerweile eine ganze Reihe von exzellenten Philatelie-Blogs (Philablogs). Um die geringen geschriebenen und ungeschriebenen Regeln des Mediums Weblog gebührend auszuschöpfen, werden hier subjektiv als interessant eingeschätzte Belege, Briefmarken, Abstempelungen und Postkarten in geplant hoher Frequenz und tatsächlich vielleicht etwas niedrigerer abgebildet und mit einem Rahmentext versehen. Philatelistische Exaktheit ist dabei nicht immer das Maß der Dinge, sondern die Freude an den Objekten.

An dem unten stehen Umschlag fallen gleich mehrere Punkte ins Auge. Gelaufen ist der Einschreibbrief vermutlich – richtig scharf erkennt man die Stempelung nicht – am 08. Februar 1990 und zwar von Berlin-Marzahn, dem Vorzeigeplattenbaugebiet der Deutschen Demokratischen Republik, die flink ihrem Ende entegegenstrebte, aber noch eine Reihe von Briefmarken herausgeben sollte, ins niederbayerische Aiglsbach, einem relativ unspektakulärem kleinem Ort, im Dreieck München, Ingolstadt und Regensburg unweit der Bundesautobahn 93 gelegen. Die Zustelladresse Steinbergstraße ist schon beinahe wieder nach Norden hinaus aus dem Ort Richtung Feld und Forst. Was die mir beiderseits unbekannten Sender und Empfänger angeht, ist aufgrund der Gestaltung der Sendung zu vermuten, dass sich um eine grenzüberschreitende Philatelistenfreundschaft handelte.

Von der schönen ersten Briefmarken-Ausgabe der DDR im Jahre 1990 sind nämlich alle vier Werte verwendet: Die Apfelblüte (Michel-Nr. 3295) zu 5 Pfennig, das blühende Heidekraut (Nr. 3296) zu 10 Pfennig, die Rapsblüte (Nr. 3297) zu 20 Pfennig und schließlich die Rotkleeblüte (Nr. 3298) zu 50 Pfennig. Das verbindende Element und eigenartigerweise Motiv im Januar ist die Honigbiene (Apis mellifica L.). An den Schaltern war der Satz ab 09. Januar 1990 erhältlich und die Auflage lag im Millionenbereich. Die Biene im Anflug auf das Heidekraut wurde gar 32 Millionen mal gedruckt, die anderen Werte zwischen zwei und acht Millionen mal. Der ziemlich bunte Entwurf stammt von Ursula Abramowski-Lautenschläger und lässt ihre Provenienz als Illustratorin gut erahnen: Solche Abbildungen kann man sich auch gut in einem allgemeinen Bienenlehrbuch vorsellen.

Bienen beim Honigsammeln

Die Frühlingsidylle wurde im Postamt Berlin-Marzahn 7 (1140 Berlin) abgestempelt und während der Umschlag seine Knicke und Risse abbekam, sind die Marken nahezu tadellos erhalten. Mehr lässt sich zum dem Beleg dann aber auch nicht mehr sagen, es sei denn, man erachtet die Angabe der Scott-Zählung (2787-2790) noch aks relevant.

Die Biene