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Die deutsche Briefmarke – gewürdigt in Pittsburgh

Posted in BRD, Briefmarke, Stempel by Ben on September 17, 2009

Den meisten Philatelisten wird Pittsburgh wegen der diesjährigen APS Stamp Show noch im Gedächtnis sein, die vom 6. bis 9. August im dortigen David L. Lawrence Convention Center abgehalten wurde und auf der die Fachöffentlichkeit u.a. erfuhr, dass die USA im Mai 2010 ihre eigene Hepburn-Marke ausgeben. Dass der Fall so Aufsehen erregend endet, wie bei der deutschen Hepburn-Wohlfahrtsmarke ist aber nicht zu erwarten, zumal die US-Ausgabe Katharine Hepburn und nicht etwa Audrey Hepburn zum Gegenstand hat. Zudem besitzt Pittsburgh auch eine eigene Philatelic Society, deren Website allerdings nicht sonderlich bermerkenswert ist.

Eine andere Website aus Pittsburgh überrascht da weitaus mehr. Das Department of Germanic Languages and Literatures der University of Pittsburgh benutzt nämlich als kulturellen Assoziationspunkt nichts weniger, als Briefmarkenausgaben der Bundesrepublik Deutschland. Dazu gibt es eine freundliche Begleitseite, die ein weiteres Mal bestätigt, was jedem Philatelisten längst bekannt ist: Die Briefmarke mehr als die Summe ihres Beförderungsentgeltwertes. Anders formuliert:

„German postage stamps represent visually the breadth and accomplishments of German culture, whether in literature, art, architecture, science, politics, philosophy, or music. Through both function and design they encourage contact between cultures.“

Dies gilt natürlich für jede landeskulturell nah ausgelegte Ausgabe weltweit und in jedem Land. Es ist aber sehr schön, dass die Pittsburgh Germanisten genau in diesem Bewusstsein durch ihr Studium gehen.

Und nicht nur die Errungenschaften der Kulturgeschichte sondern auch aktuelle Ereignisse finden ihre philatelistisch relevante Repräsentation. Beispielsweise die Bundestagswahl am 27. September 2009, für die aktuell heftig mit Maschinenstempeln geworben wird.

Maschinenwerbestempel zum 27.09.2009

Selbstklebende Ottonenkultur trifft schwachstempelfarbiges Demokratiesymbol: Möglich im September 2009 z.B. bei Postsendungen, die das Briefzentrum 12 durchlaufen.

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Sowjettourismus 1966: Das Hotel Itkol im Kaukasus

Posted in Briefmarke, Sowjetunion, Stempel by Ben on September 10, 2009

Im aktuellen Beitrag des Soviet Postcards Weblog fällt ein Element unter den Tisch: Die Briefmarke auf der dritten vorgestellten Ansichtskarte des Moskauer Schwimmbads. Während bei der Karte noch über die Jahreszeit mutmaßt, positioniert sich die Briefmarke eindeutig in der Winterzeit. Bei der Höhenlage nahe des Elbrus verwundert das nicht: das Hotel Itkol (Иткол) ist in ca. 2000 Meter über dem Meeresspiegel im Skigebiet des Cheget (Чегет) mitten im Kaukasus gelegen, dessen Gipfel sich immerhin auf 3650 Meter hochkämpft. Die Darstellung auf der Briefmarke gibt dies nur bedingt in passender Relation wieder. Der комплекс ist in etwa dort gelegen, wo man tatsächlich auch heute noch vom Ende der Welt spricht. Dass sich das architektonisch im funktionalen Stil der 1960er mit der kleinen Extravaganz des Berghütten referenzierenden Beibaus erbauten Hotelkomplexes auf einer Briefmarke findet, lässt durchaus darauf hindeuten, dass die Sowjetunion in den 1960er Jahren ganz international ausgerichtet auch die Stilistik des damaligen Reisenkonsumkultur aufgriff. Ausgegeben wurde die Marke am 20. Juli 1966 in einem Satz zum Thema Feriengebiete.

Überhaupt ist das Ausgabeprogramm des Jahres 1966 sehr weitgefächert und eines eigenen Beitrags wert. Im Zentrum stehen die Internationalisierung, der technische Fortschritt, ruhmreiche Militärgeschichte, etwas Kulturgut, viel Raumfahrt und eine große Kiste des allgemeinen Symbolschatzes der Sowjetpolitik.

Im Januar begann man mit einem Satz zu Internationalen Kongressen, die in diesem Jahr in der Sowjetunion stattfinden sollten (z.B. dem 13. Internationalen Geflügelzuchtkongress in Kiev). Weiterhin gab es zwei Marken zum 200jährigen Bestehen der Dimitroff Porzellanfabrik und eine zur Würdigung des französischen Schriftstellers und Nobelpreisträgers Romain Rolland. Ende Januar (Am 31sten) wurde das 20jährigen Bestehen eines Freundschaftsvertrags zwischen der UDSSR und der Mongolei mit einer in der passenden Ornamentik gehaltenen Marke begangen, wobei die dort abgebildete Reiterfigur am 05. Februar mit der Ausgabe zur ersten weichen Landung auf dem Mond – nämlich der von Luna 9 im Oceanus Procellarum (leider nicht passend: Porcellanum) – (stattgefunden am 03. Februar 1966) kontrastiert wird. Da war er also wieder, der sowjetische Vorsprung im Wettlauf ins All.

Expeditionen gab es auch auf der Erde zu feriern und zwar neun Tage später mit den dreieckigen Sonderausgaben zu den sowjetischen Antarktisexpeditionen. Auch hier wurde Terra Incognita erobert, z.B. mit eine Reihe von Forschungsstationen im ewigen Eis –  und die Eroberung postalisch aufbereitet. Damit man aber nicht vergaß, wen man diesen Fortschritt verdankt, gab es kurz darauf die obligatorische Lenin-Briefmarke, diesmal zum 96ten Geburtstag, sowie einen Satz mit militärischen „Helden der Sowjetunion“. Auch der 23ste Kongress der KPdSU, bei dem man unter dem Generalsekretär Leonid Breschnew  zu einer härteren Gangart zurückfand, erhielt pünktlich zur Eröffnung am 29.02. seine Sondermarke. Zu seinem Ausklang im März erschien dann noch ein rot-silberner Gedenkblock in klassischem sozialistischen Repräsentationsdesign. Zwei weitere Marken im Februar würdigten Kinofilme. Als gestalterisch interessanter präsentiert sich die Sonderausgabe zur Ständigen Versammlung der All-Unionsphilatelisten, die die Allunionsausstellung und Lenin schön aufeinander blendet. Die Dreieckformkehrte kehren zur Emission anlässlich der Winterspartakiade in Sverdlovsk wieder, der Satz zu den zeitgenössischen Verkehrsmitteln und -wegen erscheint dagegen wieder in schlichter rechteckiger Einfachheit.

Was gab es noch im ersten Quartal 1966 zu feiern und mit Briefmarken zu bedenken? Da wäre der 40ste Jahrestag der ASSR Kirgisien, die tiefrot das Sowjetgebäude in der Hauptstadt Frunse (heute Bischkek) mit orientalisierender Rahmung zeigt. Ebenfalls gewürdigt wird Sergei Kirow, dessen Ermordung im Dezember 1934 als der Startschuß für das politische Säuberungswüten Stalins gilt. An seiner Seite gedachte man 1966 philatelistisch Grigori Ordschonikidse, einst Volkskommissar für Schwerindustrie, im Februar 1937 tot in seiner Wohnung im Kreml aufgefunden wurde, was damals die ganze Sowjetunion erschütterte. Offiziell wurde sein (wahrscheinlicher) Selbstmord in einen Herzinfarkt umgedeutet und auf dem Titelfoto der Pravda, das den aufgebahrten Ordschonikidse umringt von Stalin, Molotow, etc. zeigt, ist die Schussverletzung, mit der er wohl gefunden wurde, auch nicht zu sehen. Den Oktoberevolutionär und 1937 im allgemeinen Furor mitsamt Frau und Verwandschaft exekutierten Iona Jakir gab es als dritten im Bunde am Briefmarkenschalter.

Nach drei Opfern der 1930er Jahre feierte man am 30 .März vier sowjetische Naturwissenschaftler aus den boomenden Disziplinen Mineralogie, Mikrobiologie, Physik und natürlich Polarforschung. Da Luna 10 mittlerweile auch im Orbit war, gab es Anfang April die nächste Raumfahrtausgaben. Die restlichen Ausgaben (inklusive einer zu Ehren Ernst Thälmanns und einer zu Ehren Wilhelm Piecks sowie zum Sieg des sowjetischen Eishockey Nationalteams bei der Weltmeisterschaft in Ljubljana müssen allerdings aus Zeitgründen ein anderes Mal referiert werden. Wie gesagt:  In ihrer Spannung und ihrem Aufschlußreichtum ähnelt die sowjetische Philateliegeschichte durchaus der Ansichtskartenhistorie.

Jetzt soll jedoch der Blick noch einmal zurück auf die schönen Tourismus-Marke fallen, auf der die Kiefern und mehr noch die Limousine – schätzungsweise ein Tschaika GAZ 14 – begeistern.

Briefmarke Tourismus

Briefmarke Tourismus

Vorder- und Rückseite der Ansichtskarte, die von Moskau nach Prag 9 (Vysočany), also an östlichen Stadtrand,  in eine kleine Straße namens Zbuzkova unweit der dortigen Bahnstation lief, sind auf sovietpostcards abgebildet. Eine händische Datierung ist auf die Karte nicht aufgebracht, der – leider etwas verschmierte – Poststempel datiert auf den 04.10.1966. Die Stempelung erfolgte in Moskau und umfasst neben dem Ortsstempel auch einen Beistempel „международные“ = international. Vielmehr lässt sich auf die Schnelle nicht ablesen und somit soll es mit dieser kurzen Betrachtung auch genug sein.

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Le Pont und Geneve: Zwei schöne Stempel aus der Schweiz.

Posted in Briefmarke, Schweiz, Stempel by Ben on September 9, 2009

Man kann Jura auch einzig vor dem Hintergrund der Gesetze der Natur studieren. Beispielsweise wenn man ins Vallée de Joux reist, im winzigen Weiler Le Pont am Ufer des Lac de Joux eventuell kurz im Restaurant du Lac einkehren und dort von der Freiterrasse aus den Enten zuschauen, wie sie um das Ruderboot, das auf dem schmalen Uferstreifen liegt, herumwatscheln. Nebenbei lässt sich gut eine Ansichtskarte schreiben, mit der 1,30 Franken-Marke aus dem am 08. Mai ausgegebenen  Satz „Alte Bäume“ frankieren und die mit der Trauerweise beklebte Karte dann vielleicht hundert Meter weiter gleich hinter der Boulangerie in den etwas angestoßenen Briefkasten werfen. Im Ergebnis wird die Karte sehr schön gestempelt und ins ferne Deutschland befördert, auf dass sich der Empfänger an diesem Anblick erfreut:

Briefmarke Trauerweide mit Stempel aus Le Pont

Briefmarke Trauerweide mit Stempel aus Le Pont

Die Marke folgt dabei einem Gemälde des Künstlers Reinhard Fluri aus der nun wirklich winzligen Gemeinde Halten SO, also im Kanton Solothurn gelegen, die mit einem schönen ritterlichen Wohnturm aufwartet, in dem sich das Heimatmuseum des Bezirks Wasseramt befindet. Wer sich intensiver mit der helvetischen Philatelie der letzten Jahre befasst, dem dürfte Reinhard Fluri als Gestalter schon öfter begegnet sein, so beispielsweise bei den Märchenmarken aus dem Jahr 2007.  Am obigen Beispiel freut man sich aber fast mehr über die im Vergleich zum deutschen Postalltag sehr sorgfältige Stempelung, wobei der Stempel mit einem wunderbaren Regionalbezug aufwartet und das Tal schmuck würdigt. Ortsname, Postleitzahl, Datum – alles gut lesbar. Selbiges gilt auch für die Stempelung eines Grußes, der aus dem vielleicht 70 Kilometer von Le Pont gelegenen Genf.

Einheimische Vögel 2008: Steinrötel

Einheimische Vögel 2008: Steinrötel, gestempelt in Genf

Die selbstklebende  Briefmarke aus der Dauerserie Einheimische Vögel zeigt den Steinrötel (Monticola saxatilis). Der Erstverwendung der Marke mit dem blauköpfigen Vogel, der einst auch Pfälzische Weinberge bevölkerte, mittlerweile aber leider aus Deutschland so gut wie verschwunden ist, fiel auf den 08. Mai 2008. Wenn man die hier aufgebrachte Stempelung betrachtet, fühlt man sich besonders angesichts der Tatsache berührt, dass der erste Schweizer Poststempel vor 320 Jahren (also 1689)  ebenfalls in Geneve auf eine Sendung gedrückt wurde.

So liegt nun die Ausbeute dieses Briefmarkentages auf dem Tisch und stimmt fröhlich für den Abend, der auch die Kolorierung der mangels Scanner nur abfotografierten Poststücke dominiert.

Die Post im P+. Der aktuelle Lektüretipp.

Posted in Briefmarke, Presse, Stempel, Zustellung by Ben on September 7, 2009

„Die Post ist da!“ – Jawohl, und zwar in einem sehr schönen und lesenswerten und bisher nirgends online auffindbaren Artikel in der aktuellen Ausgabe der zumeist ganz wunderbaren Zeitschrift P+. Im Magazin aus der Mitte Europas – so der Zusatz zum Zeitschriftentitel – beschreibt die Autorin Maria Luft einerseits einen kürzestgeschichtlichen Abriss der europäischen Postgeschichte, den all diejenigen lesen sollten, die binnen 10 Minuten verstehen wollen, warum die Postbeförderung so aussieht, wie sie eben bis heute aussieht. Und sie formuliert punktgenau, warum die physische Postsendung auch heute noch fasziniert:

„Postkarten haben oft einen langen Weg hinter sich, wurden gekauft, geschrieben, frankiert, abgeschickt. Sie sind durch viele Hände gegangen, haben mehrfach Grenzen passiert und das Transportmittel gewechselt. Zuhause bei uns kommen sie an die Pinnwand oder liegen herum, bis sie im Papierkorb landen – oder vielleicht doch in einer Sammlung? Jemand hat auf der anderen Seite der Erde oder sonst wo an uns gedacht: Das allein ist eine angenehme Vorstellung, Freude, auch Trost – und die Karte mit der Ansicht, Adresse, Briefmarke und Stempeln fast ein historisches Dokument.“

Oft subjektiv und mitunter auch objektiv nicht nur fast. Das kleine Hohelied auf die Postkarte im Zeitalter der elektronischen Nachrichtenübermittlung zählt jedenfalls zu einem schönsten Texte über die Briefkultur, die einem dieses Jahr publiziert wurden. (Luft, Maria: Da geht die Post ab! Über das Europäische Postwesen. In: P+. 10/2009. S. 88-90. )

Der Eckenknick

Der Eckenknick. Die maschinelle Verarbeitung von Poststücken geht äußerst Hand in Hand mit dem philatelistischen Anspruch an eine sorgfältige Stempelung und Zustellung. Das Briefzentrum 10 macht da keine Ausnahme, weswegen es sich empfiehlt, sofern möglich, einen Schutzstreifen an den Briefmarken zu lassen. Den hat es im obigen Beispiel nämlich tüchtig aufgefaltet (und auch die Ecke der Karte wurde gut ramponiert). Man mag sich kaum ausmalen, wie die schöne Gallimarkt-Marke ohne den schützenden Eckrand aussähe... Das so mögliche Lichtspiel immerhin ist sehr interessant.

Aktuelle Stempel: Briefzentrum 03 & 04

Posted in Sonderstempel, Stempel by Ben on April 6, 2009

Zwei Stempel aus zwei Briefzentren liegen heute auf der Postkiste. Einerseits liefert das Briefzentrum 03 aus Cottbus eine schöne Karte seines Einzugsbereiches inklusive des Cottbusser Postkutschers, der sich jedoch nicht mit seinem Putzmitteln am Cottbusser Postkutschkasten zu schaffen macht, sondern die Cottbusser Postkutschpferde vorgespannt seine Cottbusser Postkutsche durch das Cottbusser Postgebiet ziehen lässt. Auffällig ist am Beispiel, dass das Briefzentrum die Ansichtskarte auf der Ansichtsseite und dort am Rande gestempelt hat. So hängt der Postkutscher buchstäblich in der Luft und fährt ins Blaue hinein.

Briefzentrum 03 / Cottbus

Briefzentrum 03 / Cottbus

Durchlief der erste Beleg die Sortiermaschinen eines eher kleinen Briefzentrums, rauschte das zweite durch die der größten derartigen Stempelstraße in Ostdeutschland. Während man beim ersten die Briefmarke gänzlich schonte, knickte man im Briefzentrum 04 (Schkeuditz) eher robust die obere linke Ecke der Vogelschutzwartenmarke zur Empörung jedes Philatelisten, d.h. zum Eselsohr. Der halbwegs sammelnswerte Begleitstempel verweist auf die Ausstellung zum 600sten Jubiläum der Universität Leipzig, die den nicht unbescheidenen Anspruch „Erleuchtung der Welt“ trägt und vom Argentinischen Nationalfeier- bis zum Nikolaustag dieses Jahres in Leipziger Stadtgeschichtlichen Museum besucht werden kann.

Briefzentrum 04 / Leipzig (Schkeuditz)

Briefzentrum 04 / Leipzig (Schkeuditz)

München und Luther: Zwei aktuelle Werbestempel

Posted in BRD, Stempel, Werbestempel by Ben on Januar 5, 2009

Zwei halbwegs aktuelle Werbestempel finden heute Eingang in dieses virtuelle Postarchiv. Beide sind ganz und gar nicht spektakulär, aber aufgehoben werden sollen sie schon. Die erste Stempelung findet sich auf einer Postkarte, die am 01.12.2008 das Münchner Briefzentrum 80 durchlief und mit einer Werbung für die dortige Messegesellschaft versehen wurde. Die Stempelung der Dauermarke „Magerite“ zu 45 Cent ist schön sauber, der Werbestempel schwimmt ein bisschen, was ihm aber nicht sonderlich schadet, denn das „Markenzeichen für Messen“ kommt ohnehin sehr schlicht gestaltet daher und erinnert grafisch durchaus an die Geometrie der 1970er.

Stempel Messe München 2008

Etwas interessanter, allerdings dafür nicht so zeitlos, zeigt sich der Werbestempel zur „Fundsache Luther“, den das Briefzentrum Berlin-Mitte (10) zum 09. November 2008 auf diese Postkarte rollte. Im Zentrum der beworbenen Landesaustellung steht eine archäologische Annäherung an die Lebenswelt Martin Luthers  in Mansfeld, Wittenberg und Eisleben und bis zum 26. April 2009 hat man noch Zeit, zum Landesmuseum in Halle oder an einen der „Korrespondenzstandorte“ zu reisen und sich auf die Spuren des Reformators zu begeben. Der Zentrum des Briefstempels trifft die Briefmarke zum 500sten Jubiläum des Gallimarkts in Leer passgenau, der solide gestaltete Werbestempel leidet ein klein wenig an der Markenkante.

Werbestempel Fundsache Luther

Weihnachtswerbestempel 2008

Posted in Werbestempel by Ben on Dezember 15, 2008

Der erste Weihnachtswerbestempel des Jahres und vielleicht auch der einzige durchlief die Beförderstrecke des privaten Postdienstleisters pin und wurde vom Wolterdorfer Zweig des Unternehmensverbunds befördert, der früher unter dem Namen „Speedy Express“ bekannt war. pin klingt tatsächlich etwas professioneller und liefert in der Regel auch so. Philatelistisch sind die privaten Dienstleister der Post AG allerdings nach wie vor sehr unterlegen, was nicht zuletzt eine Kostenfrage sein dürfte. Die Briefmarkengestaltung ist bei letztere auch Verpflichtung aus Tradition und bei ersteren bestenfalls ein sehr kleines Randgeschäft. Die selbstklebenden Barcodes, die man leider mittlerweile meist automatisch am Postschalter auf den Umschlag geklebt bekommt, sofern man nicht rechtzeitig nach Briefmarken verlangt, stellt hier eine Annäherung dar – bedauerlicherweise eine über den Abbau ästhetischer Qualität. Andererseits hört man immer wieder mal, dass vielen Postempfängern die Tatsache, ob die Freimachung per Frankiermaschine, Aufkleber oder Zuschlagsmarke erfolgte, reichlich gleich ist. Als Freund des Mediums Briefmarke darf man sich aber auch so lang und so sehr es geht, gegenstemmen. Die Sondermarken des Jahres 2006 sind am Philatelieschalter in der Berliner Goethestraße nun leider auch nur noch nah an der Vorschrift bis maximal in den Januar hinein erhältlich, wie heute zu erfahren war. In leider vergangenen Zeiten, in denen man auch vor Ort stempeln lassen konnte, ging man damit erfreulicherweise (für die Briefmarkenfreunde) etwas flexibler (oder auch: nachlässiger) um.

Weihnachtswerbestempel der Sparkasse Oder-Spree

Nicht der Grafik höchste Kunst ist Weihnachtswerbestempel der Sparkasse Oder-Spree. Aber manchmal zählt bekanntlich die Geste mehr als die originelle Ausführung. Wir nehmen es mal als Dokument der Privatpostgeschichte des ersten Jahrzehnts des 21. Jahrhunderts in die Sammelbox.

Sonderbriefmarke – Hans Leip (1993)

Posted in BRD, Briefmarke, Stempel, Werbestempel by Ben on Dezember 10, 2008

Hans Leip, den mancher auch unter dem Pseudonym Li-Shan Pe und manch anderer überhaupt nicht kennt, war Seemannsohn, Füsilier im I. Weltkrieg (allerdings mit anderer Bewaffnung, als der Name vermutet lässt) und – so die Sage – bekannt mit Sigmund Freuds Nichte Lilly Marlé, dazu obendrein verliebt in eine Gemüsefrau namens Lili und gleichzeitig in die Krankenschwester eines Militärkrankenhauses, die auf den Namen Marleen hörte. Damit zeichnet er in jeder Hinsicht authentisch für die berühmten sehnsüchtigen  Zeilen über kleen (Lili) Marleen an der Laterne verantwortlich. In adäquater Vertonung und gesungen von Lale Andersen wurde der Text um 1942 zur Soldatenhymne und lief in Heavy Rotation auf dem Soldatensender „Radio Belgrad“.

Am 22. September 1993 wäre Hans Leip 100 Jahre alt geworden, die 90 hat er immerhin beinahe erreicht, denn er starb im Juni 1983. Beinahe passgenau zum Geburtsdatum veröffentlichte die Deutsche Bundespost eine Sondermarke zum Jubiläum (Erstausgabe am 16.09.). Diese zeigt die Brücke Tuledu, die es als Schlager (1931) und als Holzschnitt gibt. In meiner kleinen Sammlung findet sich ein Exemplar, das kurz nachdem der Tag der Einheit das dritte Mal gefeiert werden konnte (und bestimmt auch angemessen gefeiert wurde) vom Postamt Wuppertal 1 ins äußerste Ostdeutschland geschickt wurde und in einem Werbestempel zu Leips Schnitt die Botschaft der Schwebebahnstadt ergänzt, dass man in dieser prima Erlebniseinkaufen kann. Aber ist nicht eigentlich Essen die berühmte Einkaufsstadt in NRW? Die Marke mit dem Briefportowert von 1 DM wurde immerhin fast 24,5 Millionen Mal gedruckt und ist entsprechend nicht gerade eine Seltenheit. Vermutlich nicht einmal als Ganzstück mit dem Zusatzstempel „W – Erlebniseinkauf Wuppertal“. Als mehr Holzschnitt- als Shoppingfreund ist sie mir dennoch des Bemerkens wert.

leip_1993

Weihnachtsbriefmarken 2008

Posted in Beleg, BRD, Ersttagsstempel, Sonderstempel by Ben on Dezember 10, 2008

Ein wenig konventionell sind sie schon die Weihnachtssondermarken der Deutschen Post für dieses Jahr. Für die Briefmarke mit Postkartenportowert griff man auf eine Arbeit Albrecht Dürers zurück, für den unten gezeigte 55 (+25) Cent auf Raffaels „Anbetung der Könige“. Die Bildsprache ist also zeitlos traditionell –  bzw. nicht sonderlich mutig. Dem Renaissance-Stil der Marke setzt der Erstagsstempel dagegen ein schönes und geometrisch interessantes Gestirn entgegen und transportiert zugleich eine unschöne und dienstleistungstechnisch traurige Nebenbotschaft: Zum Januar 2009 stellen die einzigen deutschen Post-Filialen, in der man seine Post noch Ersttag stempeln lassen konnte, diesen Dienst ein und wer nun einen Brief mit entsprechend graphisch ansprechender Entwertung versenden möchte, ist gezwungen, den Umweg über die Stempelstelle in Weiden zu nehmen. Das macht man natürlich nicht gern und schon gar nicht so spontan und freudig wie bisher  und daher wird so mancher Berliner Briefmarkenfreund den Weg zur Charlottenburger Goethestraße nicht mehr antreten. Sondermarken gibt es auch am Alexanderplatz und die damit versehenen Briefe müssen dann wohl mit dem normalen Tagesstempel vorlieb nehmen. Der durchschnittliche Sender und Empfänger wird sicher nicht viel vermissen, aber generell geht die Post durchaus einen weiteren Schritt in Richtung Abbau von Vielfalt in der deutschen Philatelie. Und da die Gestaltungsqualität der Stempel sehr ansprechend war, ist es wirklich schade drum.

Brief mit Ersttagsstempel - Weihnachten 2008

Brief mit Ersttagsstempel - Weihnachten 2008

Post aus Hohenschönhausen, 1992

Posted in Beleg, BRD, DDR, Stempel by Ben on November 17, 2008

Weit im Nordosten Berlins gibt es den Plattenbauten von Neu-Hohenschönhausen ein mustergültiges Neubauvorhaben der DDR, dass von 1984 bis 1989 immerhin 30.000 Wohnungen an den Stadtrand, vor allem auf ehemalig als Rieselfelder genutzte Flächen, stellte. So entstand eine eigene Mittelstadt, deren infrastrukturelle Ausgestaltung leider nie wie geplant umgesetzt wurde und die nun einige städtebauliche Patchwork-Elemente wie das fragwürdige Lindencenter am Prerower Platz besitzt. Auf der Mehrbildkarte, die vermutlich im Jahr 1990 vom DDR-Ansichtskartenhauptverlag Bild und Heimat aus dem vogtländischen Reichenbach zusammengestellt wurde (der hier schon auf das VEB verzichtete), ist das Einkaufszentrum noch als HO Handelshaus oben rechts zu sehen. Leider ließ sich die glänzende Karte nur recht unscharf abfotografieren, so dass man es eher erahnt, als exakt erkennt.

Mehrbildkarte Hohenschönhausen

Allerdings ist die Vorlage auch nicht perfekt. Entsprechend addieren sich die Unschärfen. Das vielleicht interessanteste Element der Karte soll daher extra herausgehoben werden. Es ist das Stadtwappen des Neubaugebietes, welches seit 1987 Verwendung fand und eines der letzten der DDR sein dürfte.
Sehr schön kommt das Selbstverständnis des Neuaufbaus und der Jugend zum Ausdruck: Zwei Kinder pflanzen einen Baum und zwar an einem der Pfuhle, die für das Wohngebiet charakteristisch sind. Dahinter erheben sich die Plattenbauten nahezu festungsartig. Konkret war das Leben allerdings in den achtziger Jahren dort tatsächlich eine Baustelle, auch wenn so manche Ecke bei schönen Wetter offensichtlich zur Postkartenidylle taugte. Bei den Bewohnern in den Kernbezirken Ostberlins besitzt Hohenschönhausen allerdings nicht den besten Leumund und wird im besten Fall noch als öde Trabantenstadt vorgestellt.

Stadtwappen Berlin-Hohenschönhausen (Neu-Hohenschönhausen)
Die konkrete Ansichtskarte wurde als Teilnahme an einem Gewinnspiel der Berliner Morgenpost im August 1992 verschickt und ist in 1000 Berlin 11 abgestempelt. Auffallend ist dabei der Zusatzstempel, der noch am 12. August für das schon drei Tage zuvor beendete 32. Deutsch-Amerikanische Volksfest im Dahlemer Hüttenweg werben sollte.

Ansichtskarte Hohenschönhausen

Frankiert ist die Karte mit der seit dem 06.11.1987 in der BRD verwendeten Dauermarke „Bavaria München“ zu 60 Pfennig aus der tollen Dauerserie „Sehenswürdigkeiten“, deren fast 60 Motive immerhin 17 Jahre (1987-2004) die deutsche Briefportolandschaft maßgeblich bestimmten. Inwieweit die bayerische Schutzpatronin vor der Ruhmeshalle bewusst als Kontrapunkt zur sozialistischen Neubaustadtgestaltung gedacht war, oder einfach keine andere Marke zur Hand, bleibt wohl auf ewig ein Rätsel (wobei ich meinen letzten Forum-Scheck auf die zweite Variante setzen würde..).

Die Ansichtskarte, der es trotz blauhimmelndem Aufnahmewetter nicht so recht gelingt, das glückverheißende Leben in der Plattenbaumoderne als neues Maß der menschlichen Wohnwelten zu vermitteln und die zu allem Überdruß auf den unteren beiden Bildern auch noch eine vieldeutig drohende schwarze Druckanomalie aufweist, ist in jedem Fall ein bemerkenswertes kleines alltagskulturelles Dokument aus der Vereinigungszeit, wie auch die eher niedlich wirkende handschriftliche Streichung und Korrektur des Staates, dem Berlin als Hauptstadt dient(e), zeigt.