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Die Post im P+. Der aktuelle Lektüretipp.

Posted in Briefmarke, Presse, Stempel, Zustellung by Ben on September 7, 2009

„Die Post ist da!“ – Jawohl, und zwar in einem sehr schönen und lesenswerten und bisher nirgends online auffindbaren Artikel in der aktuellen Ausgabe der zumeist ganz wunderbaren Zeitschrift P+. Im Magazin aus der Mitte Europas – so der Zusatz zum Zeitschriftentitel – beschreibt die Autorin Maria Luft einerseits einen kürzestgeschichtlichen Abriss der europäischen Postgeschichte, den all diejenigen lesen sollten, die binnen 10 Minuten verstehen wollen, warum die Postbeförderung so aussieht, wie sie eben bis heute aussieht. Und sie formuliert punktgenau, warum die physische Postsendung auch heute noch fasziniert:

„Postkarten haben oft einen langen Weg hinter sich, wurden gekauft, geschrieben, frankiert, abgeschickt. Sie sind durch viele Hände gegangen, haben mehrfach Grenzen passiert und das Transportmittel gewechselt. Zuhause bei uns kommen sie an die Pinnwand oder liegen herum, bis sie im Papierkorb landen – oder vielleicht doch in einer Sammlung? Jemand hat auf der anderen Seite der Erde oder sonst wo an uns gedacht: Das allein ist eine angenehme Vorstellung, Freude, auch Trost – und die Karte mit der Ansicht, Adresse, Briefmarke und Stempeln fast ein historisches Dokument.“

Oft subjektiv und mitunter auch objektiv nicht nur fast. Das kleine Hohelied auf die Postkarte im Zeitalter der elektronischen Nachrichtenübermittlung zählt jedenfalls zu einem schönsten Texte über die Briefkultur, die einem dieses Jahr publiziert wurden. (Luft, Maria: Da geht die Post ab! Über das Europäische Postwesen. In: P+. 10/2009. S. 88-90. )

Der Eckenknick

Der Eckenknick. Die maschinelle Verarbeitung von Poststücken geht äußerst Hand in Hand mit dem philatelistischen Anspruch an eine sorgfältige Stempelung und Zustellung. Das Briefzentrum 10 macht da keine Ausnahme, weswegen es sich empfiehlt, sofern möglich, einen Schutzstreifen an den Briefmarken zu lassen. Den hat es im obigen Beispiel nämlich tüchtig aufgefaltet (und auch die Ecke der Karte wurde gut ramponiert). Man mag sich kaum ausmalen, wie die schöne Gallimarkt-Marke ohne den schützenden Eckrand aussähe... Das so mögliche Lichtspiel immerhin ist sehr interessant.

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72 Jahre und zwei Tage: Aktuelle Postzustellungserfahrungen in Frankreich und Deutschland

Posted in Postalltag, Presse, Zustellung by Ben on September 3, 2009

Eine schöne Meldung der Agence France-Presse lief gestern durch die „Vermischtes“-Spalten der Tages- und Internetpresse: Eine Postkarte benötigte  aus dem Postverteilzentrum ins ca. 20 km entfernte Monaco gute 72 Jahre. Die Meldung informiert, dass der einfache Gruß eines J.A Achiardi mit einem lockeren „Bon souvenir“ dessen Verlobte, gar nicht, den Bestimmungsort aber dieser Tage erreichte. Abgeschickt wurde die Karte am 11. August 1937, also dem Todestag von Edith Wharton, was in diesem Fall nichts weiter bedeutet. Außer eben, dass der Kartengruß erst im August 2009 40 Jahre nach dem Tod der Empfängerin eintraf.

Die deutsche Post des Jahres 2009 transportiert in der Regel etwas schneller. Allerdings ist dieser Tage gerade bei überregionalen Sendungen weit hinter ihrer Vorgabe, den Großteil ihrer Briefe am nächsten Tag beim Empfänger in den Kasten zu legen. Zitat: „Mehr als 95 Prozent aller Briefe innerhalb Deutschlands erreichen den Empfänger am folgenden Werktag.“  In den letzten Woche lag – so auch die eigene Erfahrung – die Quote nahe null: Von genau 6 Sendungen, die zwischen Montag, den 24. August und Montag, den 31. August in Berlin (vor der angegebenen Leerungszeit) in verschiedenen Berliner Briefkästen eingeworfen wurden, erreichte keine ihr Ziel in Südwestdeutschland am nächsten Tag. Eine Sendung von vor zwei Wochen ist noch immer verschollen.

Insofern ist der Artikel der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom letzten Sonntag sehr nah an der Post-Realität des Sommers 2009:  Mit der Deutschen Bummel-Post.