postiques

Die deutsche Briefmarke – gewürdigt in Pittsburgh

Posted in BRD, Briefmarke, Stempel by Ben on September 17, 2009

Den meisten Philatelisten wird Pittsburgh wegen der diesjährigen APS Stamp Show noch im Gedächtnis sein, die vom 6. bis 9. August im dortigen David L. Lawrence Convention Center abgehalten wurde und auf der die Fachöffentlichkeit u.a. erfuhr, dass die USA im Mai 2010 ihre eigene Hepburn-Marke ausgeben. Dass der Fall so Aufsehen erregend endet, wie bei der deutschen Hepburn-Wohlfahrtsmarke ist aber nicht zu erwarten, zumal die US-Ausgabe Katharine Hepburn und nicht etwa Audrey Hepburn zum Gegenstand hat. Zudem besitzt Pittsburgh auch eine eigene Philatelic Society, deren Website allerdings nicht sonderlich bermerkenswert ist.

Eine andere Website aus Pittsburgh überrascht da weitaus mehr. Das Department of Germanic Languages and Literatures der University of Pittsburgh benutzt nämlich als kulturellen Assoziationspunkt nichts weniger, als Briefmarkenausgaben der Bundesrepublik Deutschland. Dazu gibt es eine freundliche Begleitseite, die ein weiteres Mal bestätigt, was jedem Philatelisten längst bekannt ist: Die Briefmarke mehr als die Summe ihres Beförderungsentgeltwertes. Anders formuliert:

„German postage stamps represent visually the breadth and accomplishments of German culture, whether in literature, art, architecture, science, politics, philosophy, or music. Through both function and design they encourage contact between cultures.“

Dies gilt natürlich für jede landeskulturell nah ausgelegte Ausgabe weltweit und in jedem Land. Es ist aber sehr schön, dass die Pittsburgh Germanisten genau in diesem Bewusstsein durch ihr Studium gehen.

Und nicht nur die Errungenschaften der Kulturgeschichte sondern auch aktuelle Ereignisse finden ihre philatelistisch relevante Repräsentation. Beispielsweise die Bundestagswahl am 27. September 2009, für die aktuell heftig mit Maschinenstempeln geworben wird.

Maschinenwerbestempel zum 27.09.2009

Selbstklebende Ottonenkultur trifft schwachstempelfarbiges Demokratiesymbol: Möglich im September 2009 z.B. bei Postsendungen, die das Briefzentrum 12 durchlaufen.

Advertisements

München und Luther: Zwei aktuelle Werbestempel

Posted in BRD, Stempel, Werbestempel by Ben on Januar 5, 2009

Zwei halbwegs aktuelle Werbestempel finden heute Eingang in dieses virtuelle Postarchiv. Beide sind ganz und gar nicht spektakulär, aber aufgehoben werden sollen sie schon. Die erste Stempelung findet sich auf einer Postkarte, die am 01.12.2008 das Münchner Briefzentrum 80 durchlief und mit einer Werbung für die dortige Messegesellschaft versehen wurde. Die Stempelung der Dauermarke „Magerite“ zu 45 Cent ist schön sauber, der Werbestempel schwimmt ein bisschen, was ihm aber nicht sonderlich schadet, denn das „Markenzeichen für Messen“ kommt ohnehin sehr schlicht gestaltet daher und erinnert grafisch durchaus an die Geometrie der 1970er.

Stempel Messe München 2008

Etwas interessanter, allerdings dafür nicht so zeitlos, zeigt sich der Werbestempel zur „Fundsache Luther“, den das Briefzentrum Berlin-Mitte (10) zum 09. November 2008 auf diese Postkarte rollte. Im Zentrum der beworbenen Landesaustellung steht eine archäologische Annäherung an die Lebenswelt Martin Luthers  in Mansfeld, Wittenberg und Eisleben und bis zum 26. April 2009 hat man noch Zeit, zum Landesmuseum in Halle oder an einen der „Korrespondenzstandorte“ zu reisen und sich auf die Spuren des Reformators zu begeben. Der Zentrum des Briefstempels trifft die Briefmarke zum 500sten Jubiläum des Gallimarkts in Leer passgenau, der solide gestaltete Werbestempel leidet ein klein wenig an der Markenkante.

Werbestempel Fundsache Luther

Sonderbriefmarke – Hans Leip (1993)

Posted in BRD, Briefmarke, Stempel, Werbestempel by Ben on Dezember 10, 2008

Hans Leip, den mancher auch unter dem Pseudonym Li-Shan Pe und manch anderer überhaupt nicht kennt, war Seemannsohn, Füsilier im I. Weltkrieg (allerdings mit anderer Bewaffnung, als der Name vermutet lässt) und – so die Sage – bekannt mit Sigmund Freuds Nichte Lilly Marlé, dazu obendrein verliebt in eine Gemüsefrau namens Lili und gleichzeitig in die Krankenschwester eines Militärkrankenhauses, die auf den Namen Marleen hörte. Damit zeichnet er in jeder Hinsicht authentisch für die berühmten sehnsüchtigen  Zeilen über kleen (Lili) Marleen an der Laterne verantwortlich. In adäquater Vertonung und gesungen von Lale Andersen wurde der Text um 1942 zur Soldatenhymne und lief in Heavy Rotation auf dem Soldatensender „Radio Belgrad“.

Am 22. September 1993 wäre Hans Leip 100 Jahre alt geworden, die 90 hat er immerhin beinahe erreicht, denn er starb im Juni 1983. Beinahe passgenau zum Geburtsdatum veröffentlichte die Deutsche Bundespost eine Sondermarke zum Jubiläum (Erstausgabe am 16.09.). Diese zeigt die Brücke Tuledu, die es als Schlager (1931) und als Holzschnitt gibt. In meiner kleinen Sammlung findet sich ein Exemplar, das kurz nachdem der Tag der Einheit das dritte Mal gefeiert werden konnte (und bestimmt auch angemessen gefeiert wurde) vom Postamt Wuppertal 1 ins äußerste Ostdeutschland geschickt wurde und in einem Werbestempel zu Leips Schnitt die Botschaft der Schwebebahnstadt ergänzt, dass man in dieser prima Erlebniseinkaufen kann. Aber ist nicht eigentlich Essen die berühmte Einkaufsstadt in NRW? Die Marke mit dem Briefportowert von 1 DM wurde immerhin fast 24,5 Millionen Mal gedruckt und ist entsprechend nicht gerade eine Seltenheit. Vermutlich nicht einmal als Ganzstück mit dem Zusatzstempel „W – Erlebniseinkauf Wuppertal“. Als mehr Holzschnitt- als Shoppingfreund ist sie mir dennoch des Bemerkens wert.

leip_1993

Weihnachtsbriefmarken 2008

Posted in Beleg, BRD, Ersttagsstempel, Sonderstempel by Ben on Dezember 10, 2008

Ein wenig konventionell sind sie schon die Weihnachtssondermarken der Deutschen Post für dieses Jahr. Für die Briefmarke mit Postkartenportowert griff man auf eine Arbeit Albrecht Dürers zurück, für den unten gezeigte 55 (+25) Cent auf Raffaels „Anbetung der Könige“. Die Bildsprache ist also zeitlos traditionell –  bzw. nicht sonderlich mutig. Dem Renaissance-Stil der Marke setzt der Erstagsstempel dagegen ein schönes und geometrisch interessantes Gestirn entgegen und transportiert zugleich eine unschöne und dienstleistungstechnisch traurige Nebenbotschaft: Zum Januar 2009 stellen die einzigen deutschen Post-Filialen, in der man seine Post noch Ersttag stempeln lassen konnte, diesen Dienst ein und wer nun einen Brief mit entsprechend graphisch ansprechender Entwertung versenden möchte, ist gezwungen, den Umweg über die Stempelstelle in Weiden zu nehmen. Das macht man natürlich nicht gern und schon gar nicht so spontan und freudig wie bisher  und daher wird so mancher Berliner Briefmarkenfreund den Weg zur Charlottenburger Goethestraße nicht mehr antreten. Sondermarken gibt es auch am Alexanderplatz und die damit versehenen Briefe müssen dann wohl mit dem normalen Tagesstempel vorlieb nehmen. Der durchschnittliche Sender und Empfänger wird sicher nicht viel vermissen, aber generell geht die Post durchaus einen weiteren Schritt in Richtung Abbau von Vielfalt in der deutschen Philatelie. Und da die Gestaltungsqualität der Stempel sehr ansprechend war, ist es wirklich schade drum.

Brief mit Ersttagsstempel - Weihnachten 2008

Brief mit Ersttagsstempel - Weihnachten 2008

Post aus Hohenschönhausen, 1992

Posted in Beleg, BRD, DDR, Stempel by Ben on November 17, 2008

Weit im Nordosten Berlins gibt es den Plattenbauten von Neu-Hohenschönhausen ein mustergültiges Neubauvorhaben der DDR, dass von 1984 bis 1989 immerhin 30.000 Wohnungen an den Stadtrand, vor allem auf ehemalig als Rieselfelder genutzte Flächen, stellte. So entstand eine eigene Mittelstadt, deren infrastrukturelle Ausgestaltung leider nie wie geplant umgesetzt wurde und die nun einige städtebauliche Patchwork-Elemente wie das fragwürdige Lindencenter am Prerower Platz besitzt. Auf der Mehrbildkarte, die vermutlich im Jahr 1990 vom DDR-Ansichtskartenhauptverlag Bild und Heimat aus dem vogtländischen Reichenbach zusammengestellt wurde (der hier schon auf das VEB verzichtete), ist das Einkaufszentrum noch als HO Handelshaus oben rechts zu sehen. Leider ließ sich die glänzende Karte nur recht unscharf abfotografieren, so dass man es eher erahnt, als exakt erkennt.

Mehrbildkarte Hohenschönhausen

Allerdings ist die Vorlage auch nicht perfekt. Entsprechend addieren sich die Unschärfen. Das vielleicht interessanteste Element der Karte soll daher extra herausgehoben werden. Es ist das Stadtwappen des Neubaugebietes, welches seit 1987 Verwendung fand und eines der letzten der DDR sein dürfte.
Sehr schön kommt das Selbstverständnis des Neuaufbaus und der Jugend zum Ausdruck: Zwei Kinder pflanzen einen Baum und zwar an einem der Pfuhle, die für das Wohngebiet charakteristisch sind. Dahinter erheben sich die Plattenbauten nahezu festungsartig. Konkret war das Leben allerdings in den achtziger Jahren dort tatsächlich eine Baustelle, auch wenn so manche Ecke bei schönen Wetter offensichtlich zur Postkartenidylle taugte. Bei den Bewohnern in den Kernbezirken Ostberlins besitzt Hohenschönhausen allerdings nicht den besten Leumund und wird im besten Fall noch als öde Trabantenstadt vorgestellt.

Stadtwappen Berlin-Hohenschönhausen (Neu-Hohenschönhausen)
Die konkrete Ansichtskarte wurde als Teilnahme an einem Gewinnspiel der Berliner Morgenpost im August 1992 verschickt und ist in 1000 Berlin 11 abgestempelt. Auffallend ist dabei der Zusatzstempel, der noch am 12. August für das schon drei Tage zuvor beendete 32. Deutsch-Amerikanische Volksfest im Dahlemer Hüttenweg werben sollte.

Ansichtskarte Hohenschönhausen

Frankiert ist die Karte mit der seit dem 06.11.1987 in der BRD verwendeten Dauermarke „Bavaria München“ zu 60 Pfennig aus der tollen Dauerserie „Sehenswürdigkeiten“, deren fast 60 Motive immerhin 17 Jahre (1987-2004) die deutsche Briefportolandschaft maßgeblich bestimmten. Inwieweit die bayerische Schutzpatronin vor der Ruhmeshalle bewusst als Kontrapunkt zur sozialistischen Neubaustadtgestaltung gedacht war, oder einfach keine andere Marke zur Hand, bleibt wohl auf ewig ein Rätsel (wobei ich meinen letzten Forum-Scheck auf die zweite Variante setzen würde..).

Die Ansichtskarte, der es trotz blauhimmelndem Aufnahmewetter nicht so recht gelingt, das glückverheißende Leben in der Plattenbaumoderne als neues Maß der menschlichen Wohnwelten zu vermitteln und die zu allem Überdruß auf den unteren beiden Bildern auch noch eine vieldeutig drohende schwarze Druckanomalie aufweist, ist in jedem Fall ein bemerkenswertes kleines alltagskulturelles Dokument aus der Vereinigungszeit, wie auch die eher niedlich wirkende handschriftliche Streichung und Korrektur des Staates, dem Berlin als Hauptstadt dient(e), zeigt.

100 Jahre Staatliche Vogelschutzwarte Seebach, 17.11.2008

Posted in BRD, Briefmarke, Stempel by Ben on November 17, 2008

brz10_17111

Briefmarke: 100 Jahre Staatliche Vogelschutzwarte Seebach, ausgegeben am 10. April 2008, Nennwert 45 Cent, Gestrichenes, weißes, fluoreszierendes Postwertzeichenpapier DP 2, Entwurf: Detlef Glinski. Exemplar: Eckrandstück oben links

Gelaufen und zugestellt am 17.11.2008 (eingeworfen am 16.11.2008), gestempelt im Briefzentrum 10 (Berlin-Mitte)