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Weihnachtsbriefmarken 2008

Posted in Beleg, BRD, Ersttagsstempel, Sonderstempel by Ben on Dezember 10, 2008

Ein wenig konventionell sind sie schon die Weihnachtssondermarken der Deutschen Post für dieses Jahr. Für die Briefmarke mit Postkartenportowert griff man auf eine Arbeit Albrecht Dürers zurück, für den unten gezeigte 55 (+25) Cent auf Raffaels „Anbetung der Könige“. Die Bildsprache ist also zeitlos traditionell –  bzw. nicht sonderlich mutig. Dem Renaissance-Stil der Marke setzt der Erstagsstempel dagegen ein schönes und geometrisch interessantes Gestirn entgegen und transportiert zugleich eine unschöne und dienstleistungstechnisch traurige Nebenbotschaft: Zum Januar 2009 stellen die einzigen deutschen Post-Filialen, in der man seine Post noch Ersttag stempeln lassen konnte, diesen Dienst ein und wer nun einen Brief mit entsprechend graphisch ansprechender Entwertung versenden möchte, ist gezwungen, den Umweg über die Stempelstelle in Weiden zu nehmen. Das macht man natürlich nicht gern und schon gar nicht so spontan und freudig wie bisher  und daher wird so mancher Berliner Briefmarkenfreund den Weg zur Charlottenburger Goethestraße nicht mehr antreten. Sondermarken gibt es auch am Alexanderplatz und die damit versehenen Briefe müssen dann wohl mit dem normalen Tagesstempel vorlieb nehmen. Der durchschnittliche Sender und Empfänger wird sicher nicht viel vermissen, aber generell geht die Post durchaus einen weiteren Schritt in Richtung Abbau von Vielfalt in der deutschen Philatelie. Und da die Gestaltungsqualität der Stempel sehr ansprechend war, ist es wirklich schade drum.

Brief mit Ersttagsstempel - Weihnachten 2008

Brief mit Ersttagsstempel - Weihnachten 2008

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Post aus Hohenschönhausen, 1992

Posted in Beleg, BRD, DDR, Stempel by Ben on November 17, 2008

Weit im Nordosten Berlins gibt es den Plattenbauten von Neu-Hohenschönhausen ein mustergültiges Neubauvorhaben der DDR, dass von 1984 bis 1989 immerhin 30.000 Wohnungen an den Stadtrand, vor allem auf ehemalig als Rieselfelder genutzte Flächen, stellte. So entstand eine eigene Mittelstadt, deren infrastrukturelle Ausgestaltung leider nie wie geplant umgesetzt wurde und die nun einige städtebauliche Patchwork-Elemente wie das fragwürdige Lindencenter am Prerower Platz besitzt. Auf der Mehrbildkarte, die vermutlich im Jahr 1990 vom DDR-Ansichtskartenhauptverlag Bild und Heimat aus dem vogtländischen Reichenbach zusammengestellt wurde (der hier schon auf das VEB verzichtete), ist das Einkaufszentrum noch als HO Handelshaus oben rechts zu sehen. Leider ließ sich die glänzende Karte nur recht unscharf abfotografieren, so dass man es eher erahnt, als exakt erkennt.

Mehrbildkarte Hohenschönhausen

Allerdings ist die Vorlage auch nicht perfekt. Entsprechend addieren sich die Unschärfen. Das vielleicht interessanteste Element der Karte soll daher extra herausgehoben werden. Es ist das Stadtwappen des Neubaugebietes, welches seit 1987 Verwendung fand und eines der letzten der DDR sein dürfte.
Sehr schön kommt das Selbstverständnis des Neuaufbaus und der Jugend zum Ausdruck: Zwei Kinder pflanzen einen Baum und zwar an einem der Pfuhle, die für das Wohngebiet charakteristisch sind. Dahinter erheben sich die Plattenbauten nahezu festungsartig. Konkret war das Leben allerdings in den achtziger Jahren dort tatsächlich eine Baustelle, auch wenn so manche Ecke bei schönen Wetter offensichtlich zur Postkartenidylle taugte. Bei den Bewohnern in den Kernbezirken Ostberlins besitzt Hohenschönhausen allerdings nicht den besten Leumund und wird im besten Fall noch als öde Trabantenstadt vorgestellt.

Stadtwappen Berlin-Hohenschönhausen (Neu-Hohenschönhausen)
Die konkrete Ansichtskarte wurde als Teilnahme an einem Gewinnspiel der Berliner Morgenpost im August 1992 verschickt und ist in 1000 Berlin 11 abgestempelt. Auffallend ist dabei der Zusatzstempel, der noch am 12. August für das schon drei Tage zuvor beendete 32. Deutsch-Amerikanische Volksfest im Dahlemer Hüttenweg werben sollte.

Ansichtskarte Hohenschönhausen

Frankiert ist die Karte mit der seit dem 06.11.1987 in der BRD verwendeten Dauermarke „Bavaria München“ zu 60 Pfennig aus der tollen Dauerserie „Sehenswürdigkeiten“, deren fast 60 Motive immerhin 17 Jahre (1987-2004) die deutsche Briefportolandschaft maßgeblich bestimmten. Inwieweit die bayerische Schutzpatronin vor der Ruhmeshalle bewusst als Kontrapunkt zur sozialistischen Neubaustadtgestaltung gedacht war, oder einfach keine andere Marke zur Hand, bleibt wohl auf ewig ein Rätsel (wobei ich meinen letzten Forum-Scheck auf die zweite Variante setzen würde..).

Die Ansichtskarte, der es trotz blauhimmelndem Aufnahmewetter nicht so recht gelingt, das glückverheißende Leben in der Plattenbaumoderne als neues Maß der menschlichen Wohnwelten zu vermitteln und die zu allem Überdruß auf den unteren beiden Bildern auch noch eine vieldeutig drohende schwarze Druckanomalie aufweist, ist in jedem Fall ein bemerkenswertes kleines alltagskulturelles Dokument aus der Vereinigungszeit, wie auch die eher niedlich wirkende handschriftliche Streichung und Korrektur des Staates, dem Berlin als Hauptstadt dient(e), zeigt.

Ein Bienenbrief aus dem Jahr 1990

Posted in Beleg, DDR by Ben on November 17, 2008

Nachdem in den vergangenen Tage einige erste Stücke aus der Sammlung auf meinem Schreibtisch relativ formal abgebildet worden, soll es ab und an selbstverständlich etwas mehr Text zu den Stücken geben. WordPress als Bloganbieter macht es einem dabei nicht immer leicht, denn manchmal sind die Server arg beschäftigt. Dazu kommt ganz offensichtlich der Mangel an Digitalisierungstechnik: Die Exemplare werden bisher schlicht hingelegt/-gestellt und abfotografiert und können daher kaum höheren Anforderungen an ein philatelistisches Digitalisat genügen.
Es gibt mittlerweile eine ganze Reihe von exzellenten Philatelie-Blogs (Philablogs). Um die geringen geschriebenen und ungeschriebenen Regeln des Mediums Weblog gebührend auszuschöpfen, werden hier subjektiv als interessant eingeschätzte Belege, Briefmarken, Abstempelungen und Postkarten in geplant hoher Frequenz und tatsächlich vielleicht etwas niedrigerer abgebildet und mit einem Rahmentext versehen. Philatelistische Exaktheit ist dabei nicht immer das Maß der Dinge, sondern die Freude an den Objekten.

An dem unten stehen Umschlag fallen gleich mehrere Punkte ins Auge. Gelaufen ist der Einschreibbrief vermutlich – richtig scharf erkennt man die Stempelung nicht – am 08. Februar 1990 und zwar von Berlin-Marzahn, dem Vorzeigeplattenbaugebiet der Deutschen Demokratischen Republik, die flink ihrem Ende entegegenstrebte, aber noch eine Reihe von Briefmarken herausgeben sollte, ins niederbayerische Aiglsbach, einem relativ unspektakulärem kleinem Ort, im Dreieck München, Ingolstadt und Regensburg unweit der Bundesautobahn 93 gelegen. Die Zustelladresse Steinbergstraße ist schon beinahe wieder nach Norden hinaus aus dem Ort Richtung Feld und Forst. Was die mir beiderseits unbekannten Sender und Empfänger angeht, ist aufgrund der Gestaltung der Sendung zu vermuten, dass sich um eine grenzüberschreitende Philatelistenfreundschaft handelte.

Von der schönen ersten Briefmarken-Ausgabe der DDR im Jahre 1990 sind nämlich alle vier Werte verwendet: Die Apfelblüte (Michel-Nr. 3295) zu 5 Pfennig, das blühende Heidekraut (Nr. 3296) zu 10 Pfennig, die Rapsblüte (Nr. 3297) zu 20 Pfennig und schließlich die Rotkleeblüte (Nr. 3298) zu 50 Pfennig. Das verbindende Element und eigenartigerweise Motiv im Januar ist die Honigbiene (Apis mellifica L.). An den Schaltern war der Satz ab 09. Januar 1990 erhältlich und die Auflage lag im Millionenbereich. Die Biene im Anflug auf das Heidekraut wurde gar 32 Millionen mal gedruckt, die anderen Werte zwischen zwei und acht Millionen mal. Der ziemlich bunte Entwurf stammt von Ursula Abramowski-Lautenschläger und lässt ihre Provenienz als Illustratorin gut erahnen: Solche Abbildungen kann man sich auch gut in einem allgemeinen Bienenlehrbuch vorsellen.

Bienen beim Honigsammeln

Die Frühlingsidylle wurde im Postamt Berlin-Marzahn 7 (1140 Berlin) abgestempelt und während der Umschlag seine Knicke und Risse abbekam, sind die Marken nahezu tadellos erhalten. Mehr lässt sich zum dem Beleg dann aber auch nicht mehr sagen, es sei denn, man erachtet die Angabe der Scott-Zählung (2787-2790) noch aks relevant.

Die Biene