postiques

Statt eines Morgenständchens: Sonne auf dem Huckebein.

Posted in Briefmarke by Ben on Oktober 18, 2010

„Die Bosheit war sein Hauptpläsier.“

Es ist doch stark zu hoffen, dass sich die Deutsche Post nicht an dieser Quintessenz von Wilhelm Buschs Rabengeschichte inspirieren ließ, als sie bei Motivwahl für die Jugendmarken des Jahres 2007 genau auf Hans Huckbein zurückgriff.  Mitunter, wenn die Ansichtskarten und die auf ihnen befindlichen Briefmarken wieder besonders zerrupft im Briefkasten des Empfängers liegen, wittern bekanntlich so manche Philatelisten gar einen systematischen Affront gegen ihre Subkultur. Die Realisten unter denen, die Poststücke auch mal um ihrer selbst willen und nicht nur aufgrund der Botschaft lieben, wissen natürlich, dass zwar System aber nicht Affront hinter abgerissenen Eckrändern steckt. Die Philatelie ist nicht gerade der zentrale Geschäftszweig der Deutschen Post AG, sondern eine feine und halbwegs gehegte Einnahmequelle, die insgesamt aber mit dem Tagesgeschäft wenig zu tun hat. In diesem geht es darum, möglichst viele Sendungen in möglichst kurzer Zeit durch die Republik zu schleusen und dabei kann man nicht allzu zimperlich sein. Wer einmal beobachtet hat, wie der Kasten an der Ecke von einem gerade einmal kurz abbremsenden Subunternehmer ausgeleert wird, versteht die Bedeutung des Hinweises „Bitte nicht knicken!“ und zugleich, warum die Anbringung eines solchen dann zwecklos ist, wenn man die Sendung nicht zum Schaltern sondern bloß zum Einwurfschlitz bringt.

Auch die Stempelung des einzigartigen und einzigartig schönen Hans-Huckebein-Blocks sollte man, wenn man denn etwas zum mit der Wertstufe drei Euro verschicken findet, einer Fachkraft am Schalter und nicht der Stempelmaschine im zuständigen Briefzentrum überlassen. Das zeigt die Erfahrung aus mehreren Anläufen. Der wohlwissende Briefsender sorgt dabei dahingehend für solche Testläufe vor, dass er sich mit Schmuckstückchen wie diesem reichlich eindeckt. Dann kann auch mal ein Stempel daneben oder eine Sendung verlustig gehen. Ich nehme mir jedenfalls immer einen Block  mit, wenn mir einer begegnet, lasse ihn dann manchmal einfach wieder liegen und so war es mir heute vergönnt, dass ich auf dem Sekretär, an dem ich nächtens Briefe schreibe, des morgens plötzlich und unerwartet eine herbstsonniges Schattenspiel erleben durfte, dass vielleicht nicht sehr ungewöhnlich ist, den Huckebein Hans aber in eine ganz warmes Licht setzt, auf dem ich leichten Herzens durch den restlichen Montag reiten konnte. Das ist nicht wenig und mehr als dieses Gran Fröhlichkeit aus einem zufälligen Zusammentreffen zum Tagesbeginn soll dieser Text auch gar nicht transportieren:

 

Lichtpunkte bei Tagesanbruch: Hans Huckebein eilt im Sonnenschein seinem Perforationsschatten entgegen und zwar schwarzen Krähenfußes über weiße Wäsche.

 

Advertisements